Erfahrungen mit Swipen in der DomRep
Völlig unvorbereitet auf das, was die Mischung aus Nähe zu den USA, Armut und karibischer Offenheit in einem Land bewirken kann, reiste ich in die Dominikanische Republik. Dass das Land ein Hotspot für Sextourismus ist, erfuhr ich erst später – ausgerechnet von meiner Schwester, die selbst noch nie dort war.
Im Hotel angekommen, öffnete ich in ahnungsloser Naivität Tinder. Innerhalb weniger Stunden hatte ich etwa zehn Matches. Voller Vorfreude schrieb ich die sympathischsten Frauen an, stets mit dem gleichen, gekonnt gewählten Einstieg: „Hi, how are you?“
Die erste, die antwortete, fragte ich nach ein paar humorlosen Zeilen direkt nach ihrer Telefonnummer. „Wir können uns gerne treffen“, schrieb sie zurück, „aber du weißt schon, wie das hier in der DomRep läuft, oder?“ Ich verneinte – mittlerweile etwas weniger naiv. Sie schickte mir ein Dollar-Emoji. Eine klare Einladung.
Nach kurzem Überlegen antwortete ich: „Wenn du denkst, ich zahle für Sex, dann nein. Tut mir leid.“ Aus Prinzip lehne ich Prostitution ab. Als ich zehn Minuten später wieder aufs Handy sah, war das Match verschwunden. Tinder wirbt zwar damit, Prostitution und Scams zu unterbinden – doch die Realität sieht anders aus. Gefühlt waren 70 Prozent der Frauen, die ich auf Tinder in Punta Cana matchte, an finanziellen Transfers interessiert. In einem Land, in dem Sextourismus weit verbreitet ist, ist das kein Zufall. Armut treibt viele Frauen dazu, sich mit wenigen Kontakten ein Monatseinkommen zu sichern. Es gibt auch weiblichen Sextourismus. Insgesamt eine traurige Entwicklung, die eine ganze Gesellschaft von innen zerstören kann.
Insgesamt hatte ich drei Tinder-Dates in der Dominikanischen Republik – zwei davon waren in Ordnung. Mehr dazu und zu den gesellschaftlichen Hintergründen später.
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