Online Dating Dominikanische Republik

Tinder in Punta Cana

Nach der Erfahrung, dass Sex in der Dominikanischen Republik vor allem eine Frage des Preises ist – und nachdem mir innerhalb von fünf Tagen mindestens siebzigmal Taxis, Drogen oder Prostituierte aufgedrängt wurden –, floh ich vor der aufdringlichen Verkaufsmentalität der Einheimischen. Ich wurde von Frauen und Männern gleichermaßen auf Prostitution angesprochen, manchmal sogar mehrmals von denselben Personen. Um der Situation zu entkommen, checkte ich in ein Adults-Only-Resort ein, um dort die letzten Tage vor dem Rückflug totzuschlagen.

Natürlich, aus alter Gewohnheit, probierte ich auch dort Tinder. Und tatsächlich: In der DomRep scheint man leichtes Spiel zu haben. Unter den vielen schnellen Matches fiel mir eine Frau auf, die auf ihren Fotos mit einem Auto posierte. „Eine Frau mit Mittelklassewagen wird wohl kaum nur am Geld interessiert sein“, dachte ich – und vereinbarte ein Treffen in einer Bar.

Als sie eintraf, war sie durchaus attraktiv, etwas mollig, mit betonten Kurven, lockigem Haar und einem Outfit, das nicht zur tropischen Hitze passte: weiße, lange Hose und ein schwarzes Top. Wir bestellten Bier und Pommes, und sie begann zu erzählen: von drei Kindern, einem Haus auf der anderen Seite der Insel, den Schwierigkeiten, ein kleines Geschäft zu führen – und davon, dass sie gerade in ihrem geliehenen Auto wohne. „Das Auto gehört ihr nicht mal“, wurde mir klar. „Wieder eine Fehleinschätzung.“ Denn ich dachte, dass Frauen in Autos auch sehr viel Geld haben, vor allem in armen Ländern.

Sie berichtete von ihren Versuchen, in Clubs reiche Touristen aufzureißen, von der Härte des Lebens auf der Straße und anderen prekären Umständen. „Lieber nicht“, dachte ich, stand auf, bezahlte und wollte ein Uber zurück ins Resort rufen. Doch sie reagierte aggressiv: „Das war’s? Komm mit in mein Auto!“

Eigentlich leicht zu überzeugen, setzte ich mich widerwillig in ihr Auto – weniger aus Interesse, als aus einer Mischung von Überraschung und Unbehagen. Sexuell angezogen fühlte ich mich nicht mehr. Sie schlug vor, für 100 Dollar in ein Motel zu gehen, und ihre aufdringliche Art erinnerte mich an deutsche LinkedIn-Kaltakquise. Schließlich, aus Mitleid mit ihrer Armut, gab ich ihr 10 Dollar und bestellte mir ein Uber – ohne jeden sexuellen Kontakt.

Auf dem Weg zurück ins Hotel dachte ich: „Nach gefühlten 70.000 Dates war es das erste Mal, dass ich allein für die Gesellschaft zahlen musste.“ So war es nicht abgemacht. Ich stufte die Begegnung als Tinder-Scam ein.

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